Schottland Roadtrip: Ein Tag in Edinburgh und die Gezeiten von Lindisfarne
Der Morgen begann, wie jeder gute Tag in Grossbritannien beginnen sollte: mit einem grossen Kaffee bei Starbucks. Während ich den heissen „White Mocha“ genoss, plante ich meine Route durch Edinburgh. Da ich heute mit dem Ersatz-Transporter unterwegs war, der deutlich höher als ein normaler PKW ist, war die Parkplatzsuche meine grösste Sorge.
Über Google Maps fand ich einen vielversprechenden Platz im Zentrum. Die Fahrt von Alnwick dauerte etwa 1,75 Stunden. Während ich Richtung Norden rollte, hingen dichte Nebelschwaden über der Küstenstrasse – eine mystische, aber auch etwas beunruhigende Stimmung. Mitten in die Fahrt platzte eine Nachricht von Gary aus der Werkstatt herein. Kurz hielt ich den Atem an, doch zum Glück wollte er nur die Fahrgestellnummer (VIN) wissen, um die Ersatzteile für „Hugo“ final zu bestellen.
Parkplatz-Pech und Stadt-Glück





In Edinburgh angekommen, folgte die nächste kleine Überraschung: Mein vermeintlicher Parkplatz entpuppte sich als Parkhaus. Da der Transporter dort niemals hineingepasst hätte, musste ich “improvisieren“. Glücklicherweise fand ich direkt im Umfeld einen Aussenstellplatz. Die Parkgebühren in Edinburgh haben es allerdings in sich: 32 £ für vier Stunden sind ein stolzer Preis, aber für die zentrale Lage wohl unumgänglich.
Wenigsten war inzwischen der Himmel aufgerissen und hatte strahlendem Sonnenschein Platz gemacht, und obwohl ein kühler Wind wehte, wurde es zusehends wärmer. Trotz Wochentag war die Stadt unglaublich belebt. Reisegruppen drängten sich durch die mittelalterlichen Gassen der Old Town, vorbei an den berühmten roten Telefonzellen und Greyfriars Kirk & Kirkyard sowie dem legendären Pub Greyfriars Bobby.
mehr Infos über die Legende von Greyfriars Bobby
Greyfriars Bobby ist wohl der berühmteste Hund Schottlands und eine der rührendsten Legenden Edinburghs. Der kleine Skye Terrier gehörte dem Nachtwächter John Gray. Als dieser im Jahr 1858 an Tuberkulose starb und auf dem Friedhof „Greyfriars Kirkyard“ beigesetzt wurde, weigerte sich der treue Hund, das Grab seines Herrchens zu verlassen.
Unglaubliche 14 Jahre lang – bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 1872 – wachte Bobby Tag für Tag am Grab von John Gray. Die Einwohner der Stadt rührte diese Loyalität so sehr, dass sie den Hund fütterten und ihm sogar eine offizielle Hundemarke spendierten, um ihn vor dem Hundefänger zu schützen. Heute erinnert eine weltbekannte Bronzestatue direkt vor dem Friedhofstor an den treuen Vierbeiner.









Architektur pur: Von St. Giles bis zum Parlament
Meine Augen und meine Kamera hatte einiges zu tun. Besonders beeindruckend war die St. Giles‘ Cathedral mit ihren filigranen Deckengewölben und den prächtigen Glasmalereien, durch die das Sonnenlicht in bunten Farben fiel. Ein krasser, aber spannender Kontrast dazu war der Besuch des modernen schottischen Parlaments, dessen Architektur wohl weltweit einzigartig ist. Aber auch der Blick vom Calton Hill über die Stadt und auf den Palace of Holyroodhouse sowie viele weitere Attraktionen, waren atemberaubend.


















Nach vier Stunden Sightseeing zwischen historischen Denkmälern und Dudelsackspielern machte ich mich auf den Rückweg.
Die Tücken der Nordsee: Lindisfarne Castle
Auf dem Rückweg wollte ich noch einen Abstecher zum Lindisfarne Castle (Holy Island) machen. Leider hatte ich die Rechnung ohne die Natur gemacht. Lindisfarne ist nur über einen Damm erreichbar, der bei Flut komplett überspült wird. Als ich ankam, war die Strasse bereits in den Wellen verschwunden. Ein schöner Beweis für die Kraft der Gezeiten – und eine Lektion für meine nächste Reiseplanung!
mehr Infos über Lindisfarne (Holy Island)
Lindisfarne, auch bekannt als „Holy Island“, ist eine Gezeiteninsel (Tidal Island) vor der Küste von Northumberland. Sie gilt als eines der wichtigsten Zentren des frühen Christentums in England, nachdem der heilige Aidan im Jahr 635 dort ein berühmtes Kloster gründete. Weltgeschichte schrieb die Insel im Jahr 793: Der brutale Überfall von Wikingern auf das wehrlose Kloster Lindisfarne markiert in der Geschichtsschreibung den offiziellen Beginn der Wikingerzeit in Europa.
Das markante Lindisfarne Castle thront auf einem steilen Vulkanfelsen im Süden der Insel. Es wurde im 16. Jahrhundert als Festung zum Schutz vor schottischen Invasionen erbaut und Anfang des 20. Jahrhunderts vom berühmten Architekten Sir Edwin Lutyens in ein romantisches Wohnschloss umgewandelt. Der Damm zur Insel wird zweimal täglich komplett überflutet, was den Besuch zu einem zeitkritischen Abenteuer macht.
Garys Geschichte und Umzug ins Hotel
Zurück in Alnwick schaute ich noch einmal bei Gary vorbei. Der Termin für die Reparatur am nächsten Morgen um 8:30 Uhr stand fest. Wir unterhielten uns ein wenig über seine Augenklappe. Er erzählte mir, dass ein Metallsplitter sein Auge verletzt hatte und er nun auf eine rettende Operation in einem halben Jahr warten muss. Trotzdem strahlte er eine unglaubliche Zuversicht und Freude an seiner Arbeit aus – das hat mich tief beeindruckt.
Um den Kopf für den Reparaturtag frei zu haben, erledigte ich noch die „Hausarbeit“ im Wohnmobil: Ich fand einen Campingplatz in der Nähe, auf dem ich meine Toilettenkassette entleeren konnte. Ich schnappte sie mir und fuhr kurz mit dem Transporter vorbei. Danach hiess es Abschied nehmen von „Hugo“ für die Nacht. Da mein Hotel direkt nebenan lag, transportierte ich meine sieben Sachen ganz pragmatisch in einer grossen IKEA-Tüte rüber.





Den Abend liess ich bei einem kühlen IPA in der Sonne ausklingen, gefolgt von einem wirklich hervorragenden Burger und einem Dessert im Hotelrestaurant. Morgen wird es ernst für „Hugo“!
Etappe: Alnwick (UK) – Edinburgh – Lindisfarne – Alnwick (ca. 265 km / 165 mi im Ersatz-Transporter)
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Musstest du auf deinen Reisen auch schon einmal unplanmässig improvisieren oder hast – so wie ich – das Wettrennen gegen die Gezeiten an der Küste verloren? Wie gefällt dir das architektonische Zusammenspiel in Edinburgh? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar, stelle deine Fragen oder teile deine eigenen Schottland-Erfahrungen mit mir – ich freue mich auf deinen Input!


