Amerikanischer Schwarzbär
Amerika,  Nationalpark

Kanada Roadtrip: Bären-Magie in Ucluelet und Sturmtage in Tofino

Wildnis pur an der Westküste: Der Wecker klingelte bereits um 6:00 Uhr, denn ich hatte ein klares Ziel vor Augen: Bear Watching. Die kühle Morgenluft und die absolute Ruhe im Hafen von Ucluelet bildeten den perfekten Rahmen für den Start in diesen besonderen Tag. Zwischen der Beobachtung von Schwarzbären am Ufer, dem Kampf mit dreisten Raben in Tofino und einem stürmischen Strandspaziergang an der Florencia Bay habe ich heute die wilde Seite von Vancouver Island von ihrer intensivsten Seite kennengelernt.

Auge in Auge mit den Schwarzbären

Dank einer guten Vorab-Info fand ich den speziellen RV-Parkplatz im Ort sofort. Er bietet Platz für drei bis vier grosse Fahrzeuge, und da ich so früh dran war, hatte ich die freie Auswahl. Es ist einer dieser Momente, in denen ich die Vorzüge eines Wohnmobils so richtig schätze: Während ich nur 200 Meter vom Ablegeplatz der Boote entfernt parkte, konnte ich in aller Ruhe mein Frühstück geniessen und mich warm für die Tour anziehen.

Pünktlich startete ich mit einem kleinen, geschlossenen Boot in die Inselwelt vor Ucluelet. Die Tour dauerte etwa 3,5 Stunden und war ein voller Erfolg. Ich hatte das Glück, insgesamt drei Schwarzbären direkt am Ufer zu beobachten: eine Mutter mit ihrem Jungtier und einen weiteren, imposanten Einzelgänger. Die Tiere suchen bei Ebbe am Ufer nach Krebsen und Muscheln unter den Steinen – ein faszinierendes Schauspiel, das man vom Wasser aus perfekt und ohne sie zu stören verfolgen kann.

mehr Infos über Schwarzbären an der Westküste

Der Amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus) ist an der Westküste von Vancouver Island allgegenwärtig. Entgegen ihrem Namen ist ihr Fell nicht immer schwarz; es kann auch zimtfarben oder in seltenen Fällen sogar fast weiss sein.

Das Verhalten, das ich beobachten konnte – das Umdrehen von Steinen im Gezeitenbereich – ist eine Spezialität der Bären an der Küste. Sie haben gelernt, dass sich unter den Steinen bei Ebbe proteinreiche Krabben, Muscheln und andere kleine Meeresbewohner verstecken. Dies ist für sie eine wichtige Energiequelle, besonders im Frühjahr und Herbst, um sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Die Bären hier sind so geschickt, dass sie die Gezeitenpläne quasi aus dem Kopf kennen!

Neben den Bären besuchten wir eine Kolonie von Robben und Seelöwen, die sich lautstark auf den Felsen präsentierten. Die neblige, fast mystische Küstenlandschaft, machte die Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Regenfluten und der Kuchendieb von Tofino

Nach einem schnellen Mittagssnack im RV ging die Reise weiter Richtung Tofino. Das Wetter schlug nun jedoch mit voller Härte zu – es regnete buchstäblich wie aus Eimern. Schweren Herzens musste ich einige der wunderschönen Rundwege, wie den Rainforest Trail oder den Shorepine Bog Trail, auslassen. Die Sicht war teilweise so eingeschränkt, dass Wandern wenig Sinn ergeben hätte.

In Tofino angekommen, liess der Regen glücklicherweise etwas nach. Der Ort wirkte bei diesem Wetter zwar etwas schläfrig, versprühte aber dennoch den typischen Surfer-Charme. In einem gemütlichen Café mit Blick auf das Wasser legte ich eine Pause ein. Die Warnschilder vor einem „diebischen Raben“ waren dort keine Übertreibung: Kaum stand mein Gebäck auf dem Tisch, suchte der gefiederte Stammgast bereits seine Chance – doch ich konnte meinen Kuchen erfolgreich verteidigen!

Strandromantik und Lagerfeuerglück

Auf dem Rückweg legte ich einen Zwischenstopp an der Florencia Bay (oft auch als Gold Beach bezeichnet) ein, bevor ich meinen Campground ansteuerte. Trotz des wechselhaften Wetters zog es mich noch einmal hinaus: Ein 1,5-stündiger Strandspaziergang führte mich entlang der tosenden Brandung. Die Weite des Strandes im Pacific Rim National Park ist bei jedem Wetter beeindruckend.

mehr Infos über den Pacific Rim National Park

Der Pacific Rim National Park ist einer der meistbesuchten Nationalparks in Kanada. Er besteht aus drei geografischen Einheiten: dem Long Beach (nahe Tofino), den Broken Group Islands und dem berühmten West Coast Trail.

Der Park ist weltbekannt für seine Kombination aus altem Regenwald und endlosen Stränden, die direkt an den wilden Pazifik grenzen. Besonders der Long Beach ist bei Surfern aus der ganzen Welt beliebt. Da die Region in einer der regenreichsten Zonen Kanadas liegt, hat sich hier ein gemässigter Regenwald entwickelt, der durch riesige Farne, moosbedeckte Bäume und eine enorme ökologische Vielfalt besticht.

Den Abend verbrachte ich ganz traditionell am Camper. Trotz der Feuchtigkeit gelang es mir, ein tolles Lagerfeuer zu entfachen. In der absoluten Stille des Waldes genoss ich die Ruhe und die Wärme der Flammen – der perfekte Abschluss für einen Tag zwischen Wildnis und Wellen.

Etappe: Ucluelet – Tofino – Green Point (ca. 85 km / 53 mi im Wohnmobil)

Teile deine Gedanken und Fragen mit mir!

Hast du auf deinen Roadtrips auch schon einmal Bekanntschaft mit besonders „dreisten“ Tieren gemacht, die es auf dein Essen abgesehen hatten? Wie sehr beeinflusst dich das Wetter bei deiner Reiseplanung, oder bist du der Typ, der auch bei strömendem Regen durch den Regenwald wandert? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar, stelle deine Fragen oder teile deine eigenen Kanada-Erfahrungen mit mir – ich freue mich auf den Austausch mit dir!

Übernachtung – Campground:

Thunderbird RV Park and Resort

Kosten: CA$ 83.50 (für zwei Nächte)

Der Green Point Campground im Pacific Rim National Park ist ein absoluter Klassiker und die einzige offizielle Campingmöglichkeit direkt innerhalb des Nationalparks. Der Platz ist wunderschön in den küstennahen Regenwald eingebettet und bietet eine sehr naturnahe, fast unberührte Atmosphäre. Die Einrichtungen sind gut in die Natur integriert, mit sauberen Sanitäranlagen und Warmwasserduschen, was nach einem Tag in der feuchten Pazifikluft besonders angenehm ist.

Was den Green Point Campground jedoch unvergleichlich macht, ist seine spektakuläre Lage direkt oberhalb des Long Beach. Ein kurzer Fußweg führt direkt vom Campingplatz hinunter an den kilometerlangen Sandstrand, wo man das Rauschen des Pazifiks hautnah erleben kann. Die Stellplätze sind weitläufig und durch dichten Wald voneinander getrennt, was ein hohes Maß an Privatsphäre bietet und einen voll und ganz in die raue Schönheit der Westküste von Vancouver Island eintauchen lässt.

Empfehlung: ★★★★★

Ich würde hier auf jeden Fall wieder übernachten.

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